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Wieder topfit: Benedikt XVI. |
Die heimliche Auszeit hatte Kardinal Kasper dem Papst vorgeschlagen, der sich Anfang 2013, nach mehreren Jahrzehnten in der römischen Kurie, stark angegriffen und nicht mehr leistungsfähig fühlte. Auf Anraten Kaspers hat Benedikt XVI. in den letzten zwei Jahren im eigens dafür umgebauten Kloster Mater Ecclesiae nicht nur seine geistigen und seelischen Kräfte durch Ruhe, Fasten, Beten und ausgiebiges Sudokuspiel gestärkt, sondern sich auch durch Ernährungsumstellung, kalte Güsse, Gerätturnen und einen Karatekurs gestählt und ist nun psychisch wie physisch wieder in Topform.
Die wird er auch brauchen, wenn er sich ab diesem Frühjahr seinen neuen Aufgaben widmen möchte. Zwar hat er einiges schon in der Abgeschiedenheit von Mater Ecclesiae vorbereitet, etwa die Liturgiereform, die am ersten Advent in Kraft treten soll. Dennoch liegt der größte Teil noch vor ihm.
Da ist zum einen die Familiensynode im Herbst, deren Schwerpunkt auf einer Klärung, Neufassung und Verstärkung der Katechese liegen und die die Verurteilung einiger Irrlehren auf den Weg bringen soll, die Kardinal Burke derzeit ins Reine schreibt.
Weitaus schwieriger wird jedoch das Ökumenische Konzil werden, mit dessen Vorbereitung die Kardinäle Burke und Müller betraut sind, wie uns Vatikankreise berichten. Da will Benedikt nicht nur die Auswirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils prüfen und Fehlentwicklungen „mit aller Macht berichtigen“, sondern auch Maßnahmen ergreifen, die das Leben der Gläubigen wieder tief in der Lehre der Kirche Christi einwurzeln sollen.
Die erste Sitzungsperiode ist für den Herbst 2016 angesetzt. Wenn Benedikts Pläne aufgehen, wird auf der dritten Sitzungsperiode endlich auch die leidige Filioquefrage gelöst werden. Dies erscheint laut Experten nun greifbar, zumal den Papst – wie sich jetzt herausstellte – seit Mitte 2013 eine tiefe Freundschaft mit Kyrill I. und Bartholomäus I. verbindet, den Patriarchen von Moskau und Konstantinopel. Zum feierlichen Abschluß des Konzils möchte Benedikt gemeinsam mit diesen beiden am 31. Oktober 2017 die Weihe Rußlands an das unbefleckte Herz der Gottesmutter vollziehen.
Der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, der laut des Pontifex mit seiner unermüdlichen Koordinationstätigkeit zwischen Benedikt und seinem Vertreter Franziskus die Auszeit erst ermöglicht habe, wird für seine Leistungen am Sonnabend das Kardinalsbirett und ab dem 1. März den Posten des Präfekten der Glaubenskongregation erhalten.
Ein ganz besonders großes Lob bekam natürlich Jorge Mario Kardinal Bergoglio, der Benedikt XVI. den großen, in der Kirchengeschichte bisher einmaligen Liebesdienst erwiesen hat, ihn unter dem Namen Franziskus zwei Jahre lang zu vertreten. Der künftige Kardinaldekan meinte dazu mit der ihm eigenen Bescheidenheit: „Lieber Heiliger Vater, das habe ich sehr gern getan. Sie wissen, daß ich immer zur Stelle bin, wenn ein Mensch meine Hilfe braucht, vor allem, wenn es der Papst ist, dem ich als Jesuit mich ja zum absoluten Gehorsam verpflichtet habe.“ Er habe darauf gesehen, möglichst wenig Unordnung in die Angelegenheiten Papst Benedikts zu bringen; so habe er etwa im Apostolischen Palast und „bei den Klamotten“ nichts angerührt, sondern alles so gelassen, wie es war, um dem Papst die Rückkehr so leicht wie möglich zu gestalten. Er hoffe, daß er eine solche Aufgabe wie die zurückliegende, die ihm doch zuweilen sehr schwer gefallen sei, nicht noch einmal werde auf sich nehmen müssen.
Wir schließen uns an dieser Stelle den Kardinälen im Konsistorium und ganz besonders Kardinal Bergoglio an, die Papst Benedikt XVI. nach seiner Ansprache wünschten, daß er die Früchte seiner großen Pläne noch viele Jahre genießen möge.